Positive Ansätze der schweizerischen Aussenpolitik verstärken
Von Regine Aeppli, Nationalrätin, SP, und Präsidentin
des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH
Das SAH gehört zu den Organisationen, die die Initiative
"für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst" unterstützen.
Die Initiative will ein zusätzliches Instrument für die
Beteiligung der Schweiz an der gewaltfreien Beilegung von Konflikten
und der Umsetzung der vom Bundesrat angestrebten Menschenrechtspolitik
schaffen.
Erfolg oder Misserfolg von Volks-Initiativen sind sehr oft davon
abhängig, ob sie in Ereignisse eingebettet sind, die bei den
Stimmberechtigten den Eindruck erwecken, dass Handlungsbedarf vorliegt
oder nicht. Das Zusammentreffen ist ein Glücksfall der Misserfolg
oft das Ergebnis institutioneller Hinhaltetaktik. Beides ist Bestandteil
des Politikgeschäfts.
Vom Krieg im Kosovo als einem Ereignis zu sprechen, wäre zynisch.
Der Krieg im Kosovo ist auch kein Einzelfall. Praktisch jedes Jahr
in den letzten 20 Jahren gab es irgendwo auf der Welt einen oder
mehrere Konflikte, die am Kulminationspunkt der Eskalation mit Gewalt
ausgetragen werden (Sri Lanka, Libanon, Algerien, Ruanda zur Zeit
Osttimor). Sehr häufig waren und sind die Opfer der Gewalt
Angehörige religiöser oder ethnischer Minderheiten, deren
Menschenrechte zum Teil während Jahren verletzt wurden, auf
deren Situation die Weltöffentlichkeit und die Internationale
Gemeinschaft aber erst reagiert, wenn die Waffen sprechen. Die Konflikte
haben alle eine Geschichte, in deren Verlauf es immer wieder Chancen
zu einer gewaltfreien - oder wenigstens gewaltfreieren - Konfliktlösung
gegeben hätte.
Der Krieg im Kosovo ist für das Bewusstsein der schweizerischen
Bevölkerung insofern von besonderer Bedeutung, weil er praktisch
vor unserer Haustüre stattgefunden hat, und weil uns sowohl
mit den Tätern wie mit den Opfern eine gemeinsame Geschichte
verbindet, die Geschichte der europäischen Arbeitsmigration
seit dem zweiten Weltkrieg. Der Krieg hat uns bewusst gemacht, dass
eine Politik, die einseitig auf kurzfristige nationale Interessen
setzt, uns mittelfristig mit Konsequenzen und Folgekosten konfrontiert,
die den Aufwand für eine aktive Friedens- und Aussenpolitik
um ein Vielfaches übersteigen. Wer nicht völlig verbohrt
oder grenzenlosem Zynismus verfallen ist, musste spätestens
während oder nach diesem Krieg erkennen, dass die Mittel der
Innenpolitik gegenüber solchen Entwicklungen völlig unbehelflich
sind.
Die EU, welche ihre Migrationspolitik jahrelang auf Abschottung
("Festung Europa") gerichtet hatte, begann diese Erkenntnis sogleich
umzusetzen, indem sie einen Stabilitätspakt gründete.
Die Schweiz hat sich dem Stabilitätspakt angeschlossen und
arbeitet aktiv darin mit. Ihr Beitrag ist es, demokratische Strukturen
aufzubauen une zu stärken, was sich mit den Zielen des Zivilen
Friedensdienstes deckt. Die politischen Bemühungen und Energien
sollen verstärkt in die Prävention und die gewaltfreie
Konfliktbewältigung investiert werden.
Die Initiative ist aber nicht nur dem Frieden in Europa und der
von Eigeninteressen bestimmten politischen Stabilisierung der Verhältnisse
in unserer Weltgegend verpflichtet. Sie hat eine übergeordnete
ideelle Zielsetzung. Sie will der nachhaltigen Umsetzung der Menschenrechte
auf der ganzen Welt zum Durchbruch verhelfen. Sie ist getragen von
der Ueberzeugung, dass Gewalt neue Gewalt sät und darum mit
allen Mitteln vermieden werden soll.
Gleichzeitig ist sie geprägt von den Erfahrungen der unterstützenden
Organisationen, dass es dafür mehr braucht als die Verbreitung
der zehn Gebote und anderer übergeordneter ethischer Grundsätze.
Es braucht dazu das Wissen von den Erkenntnissen der Konfliktforschung,
und es braucht dazu die Fähigkeit, sich auf die spezifischen
kulturellen Bedingungen, die in solchen Konflikten in Spannung geraten,
einzulassen. Mit andern Worten: es braucht nebst hohen menschlichen
Qualitäten auch professionelle Fähigkeiten.
Die NGO's haben schon bisher einen wichtigen Beitrag in der Vermittlung
zwischen Parteien am Ort des Konflikts geleistet, aber auch in der
Innenpolitik als Seismographen für die nationale Aussenpolitik
eine Rolle gespielt. Von den offiziellen Organen werden sie oft
als Go-between eingesetzt, wenn ein offizieller diplomatischer Einsatz
politisch heikel ist. Manchmal verfügen sie über Beziehungen
und Netze, die sie in der Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut haben
und dank der sie bei den Konfliktparteien das nötige Vertrauen
geniessen, um zu vermitteln. Diese Rolle gehört aber nicht
zu ihrem eigentlichen Pflichtenheft und auch nicht unbedingt zu
ihren Kompetenzen.
Ein ZFD, bestehend aus freiwilligen und gut ausgebildeten Personen,
wäre das Bindeglied zwischen Entwicklungsorganisationen, Flüchtlingshilfswerken
und den staatlichen Organen der Aussenpolitik. Mit einem solchen
Dienst könnte die Schweiz dort einen Beitrag leisten, wo grosse
und damit schwerfällige internationale Organisationen oft zu
spät kommen oder ihr Einsatz der Politik zum Opfer fällt.
Selbstverständlich müsste sich ein solcher Dienst an die
Vorgaben der schweizerischen Politik halten. Es geht nicht darum,
eine Mission zu gründen, die ihren Auftrag selber definiert.
Aus diesen und weiteren Gründen unterstützen deshalb
Organisationen wie das Schweizerische Arbeiterhilfswerk, der Christliche
Friedensdienst, Terre des Hommes und Centrale Sanitaire Suisse die
Initiative.
|